Dieses Kleidungsstück kenne ich noch aus meiner Jugend. Es war für Zuhause das Dressing der Frau schlechthin. Es passte überall, egal ob Frau darunter Liebestöter, Nachthemd oder Bikini trug. Sie konnte selbst Garnichts darunter anhaben. Damit konnte sie sich jedem zeigen. Natürlich nicht unbedingt bei einer Abendgesellschaft, aber tagsüber im häuslichen Milieu immer.
Die Kittelschürze musste man nur überziehen, fertig!
Manchmal kam die Frau damit bieder daher, gelegentlich nachlässig und vor allen Dingen immer wieder sexy.
Die Muster dieses wandlungsfähigen Kleidungsstückes waren mannigfach und die Anschaffung allemal erschwinglich.
Schaut man im Internet nach, dann werden diese Kleidungsstücke in allen Variationen hundertfach angeboten.
Warum dann um alles in der Welt, sieht man keine Frauen mehr in Kittelschürzen rumlaufen?
Gerade im Sommer müsste dieses Kleidungsstück für jede Frau ein Muss sein. Fluffiger und luftiger geht es nicht. Mit nichts drunter zwickt nichts, klemmt nichts und doch ist alles verhüllt.
Liebe Freunde, wenn Sie Texte aus meinem Blog verwenden,
bitte geben Sie den Autor an, sonst ist es geistiger Diebstahl.
bitte geben Sie den Autor an, sonst ist es geistiger Diebstahl.
Freitag, 1. Juni 2018
Donnerstag, 31. Mai 2018
Über den Wolken Berlins
Der noch wenig bekannte Filmemacher Hannes Hanssen lud vergangenen Mittwoch zur Uraufführung seiner Dokumentation »Über den Wolken Berlins« ins Thalia Kino ein. Die knapp eineinhalbstündige Präsentation löste eine kontroverse Diskussion aus.
Hanssen widmete damit seiner Heimatstadt Castrop Rauxel ein eindrucksvolles Kunstwerk, das er mit unprätendiösen Worten ankündigte.
Die versammelten Pressevertreter waren begeistert.
Der Reporter einer ansässigen Schülerzeitung stelle dabei die Frage, die wohl allen Anwesenden auf den Nägeln brannte:
»Warum heißt die Dokumentation -Über den Wolken Berlins-, wenn Berlin mit keinem einzigen Wort und keinem Bild vorkommt?«
Das süffisante Lächeln des Filmemachers war vielsagend.
»Ich habe diese Frage erwartet. Dass sie ausgerechnet von einem Schülerredakteur gestellt wird, überrascht mich!«
Es entstand eine Pause. Sekt und Schnittchen wurden aus der Hand gegeben. Hannes Hanssen wischte sich mit seinem Einstecktuch den Schweiß von der Stirn.
»Glauben Sie wirklich, sie wären alle meiner Einladung gefolgt, wenn ich meine Dokumentation -Über den Wolken Castrop Rauxels- genannt hätte?«
Hanssen widmete damit seiner Heimatstadt Castrop Rauxel ein eindrucksvolles Kunstwerk, das er mit unprätendiösen Worten ankündigte.
Die versammelten Pressevertreter waren begeistert.
Der Reporter einer ansässigen Schülerzeitung stelle dabei die Frage, die wohl allen Anwesenden auf den Nägeln brannte:
»Warum heißt die Dokumentation -Über den Wolken Berlins-, wenn Berlin mit keinem einzigen Wort und keinem Bild vorkommt?«
Das süffisante Lächeln des Filmemachers war vielsagend.
»Ich habe diese Frage erwartet. Dass sie ausgerechnet von einem Schülerredakteur gestellt wird, überrascht mich!«
Es entstand eine Pause. Sekt und Schnittchen wurden aus der Hand gegeben. Hannes Hanssen wischte sich mit seinem Einstecktuch den Schweiß von der Stirn.
»Glauben Sie wirklich, sie wären alle meiner Einladung gefolgt, wenn ich meine Dokumentation -Über den Wolken Castrop Rauxels- genannt hätte?«
Donnerstag, 24. Mai 2018
Zum Schmutzigen Löffel
»Ein kleines Bier bitte!«
Der junge Mann redete nach der Schrift. Bei uns in Passau war er schnell als Student aus Norddeutschland identifiziert und beim Viktor im »Bayrischen Posthorn« allemal.
Er brachte dem Studenten das Bier nicht. Stattdessen kam ein: »Na wartest, bis’d an Durscht host!«
Das war der Viktor, wie er leibt und lebt.
Damals als Assistenzärzte verabredeten wir uns beim Viktor, ein in Kliniknähe gelegenes Wirtshaus »Zum bayrischen Posthorn«. Nur nannte es von uns keiner so. Wir gingen zum Viktor oder zum schmutzigen Löffel. Letzteres war überhaupt nicht despektierlich gemeint. Wir alle schätzen die hervorragende Küche seiner Frau Berta. Ein ums andere Mal zauberte sie uns die besten Schmankerl zu absolut bürgerlichen Preisen. Wir alle liebten dieses urbayrische Wirtshaus mitsamt seinem Wirt Viktor und seiner Frau Berta.
Mit den Studenten hatte er so seine Problemchen. Wer zu abendlicher Stunde eine Tasse Kaffee bestellte, die er natürlich machen konnte, war suspekt. Wer ein kleines Bier bestellte sowieso.
Wir alle hatten dieses bayerische Urviech in unser Herz geschlossen. Er und seine Frau Berta umsorgten uns. Es waren herrliche Zeiten in diesem Wirtshaus.
Dann war die Ära zu Ende. Viktor legte einen Zwischenstopp »Beim Schnauferlwirt« ein und baute später im Industriegebiet Sperrwies.
Sein gleichnamiges Wirtshaus wurde wieder eine kleine Heimat für mich. Die Assistenzarztzeiten lagen weit hinter mir und die »alte Garde« von damals war Vergangenheit. Nur eines blieb, die Herzlichkeit und die Kochkünste der beiden.
Die Passauer Studenten, die gelegentlich dort aufkreuzten, wurden kritisch beäugt. Das »kleine Bier« blieb suspekt.
Auch das Wirtshaus zur Sperrwies ist Vergangenheit. Was bleibt, ist eine wunderbare Erinnerung an zwei herzliche Menschen, die mit Leib und Seele Wirtsleute waren.
Der junge Mann redete nach der Schrift. Bei uns in Passau war er schnell als Student aus Norddeutschland identifiziert und beim Viktor im »Bayrischen Posthorn« allemal.
Er brachte dem Studenten das Bier nicht. Stattdessen kam ein: »Na wartest, bis’d an Durscht host!«
Das war der Viktor, wie er leibt und lebt.
Damals als Assistenzärzte verabredeten wir uns beim Viktor, ein in Kliniknähe gelegenes Wirtshaus »Zum bayrischen Posthorn«. Nur nannte es von uns keiner so. Wir gingen zum Viktor oder zum schmutzigen Löffel. Letzteres war überhaupt nicht despektierlich gemeint. Wir alle schätzen die hervorragende Küche seiner Frau Berta. Ein ums andere Mal zauberte sie uns die besten Schmankerl zu absolut bürgerlichen Preisen. Wir alle liebten dieses urbayrische Wirtshaus mitsamt seinem Wirt Viktor und seiner Frau Berta.
Mit den Studenten hatte er so seine Problemchen. Wer zu abendlicher Stunde eine Tasse Kaffee bestellte, die er natürlich machen konnte, war suspekt. Wer ein kleines Bier bestellte sowieso.
Wir alle hatten dieses bayerische Urviech in unser Herz geschlossen. Er und seine Frau Berta umsorgten uns. Es waren herrliche Zeiten in diesem Wirtshaus.
Dann war die Ära zu Ende. Viktor legte einen Zwischenstopp »Beim Schnauferlwirt« ein und baute später im Industriegebiet Sperrwies.
Sein gleichnamiges Wirtshaus wurde wieder eine kleine Heimat für mich. Die Assistenzarztzeiten lagen weit hinter mir und die »alte Garde« von damals war Vergangenheit. Nur eines blieb, die Herzlichkeit und die Kochkünste der beiden.
Die Passauer Studenten, die gelegentlich dort aufkreuzten, wurden kritisch beäugt. Das »kleine Bier« blieb suspekt.
Auch das Wirtshaus zur Sperrwies ist Vergangenheit. Was bleibt, ist eine wunderbare Erinnerung an zwei herzliche Menschen, die mit Leib und Seele Wirtsleute waren.
Dienstag, 22. Mai 2018
Biergarten
22-05-18
Es war ja nicht gerade so, dass wir nur Flausen und Schabernack im Kopf hatten. Unser Hauptaugenmerk galt dem Studium. Das hatte allererste Priorität. Das war ja nicht mit ein paar Stunden in der Woche abgetan. Das Medizinstudium war und ist ein sehr intensives Studium, da war Aufmerksamkeit von morgens bis abends angesagt und das oft an sieben Tagen in der Woche.
Aber, so hart wir arbeiten konnten, so intensiv konnten wir auch feiern. Wobei der Alkoholkonsum bei weitem nicht an erster Stelle stand.
Irgendwann im Sommer war einer der vielen Biergartenbesuche ein Besonderer. Frohen Mutes zogen wir zu sechst hinaus in einen der angesagtesten Biergärten . Ein freier Tisch am frühen Abend war schnell gefunden. Mit dem Beginn der Dämmerung kam eine beherrschte Bedienung vielleicht Mitte Fünfzig mit wogendem Busen an den Tisch. Sie hieß Kathie, das wussten wir schon und für so manchen Fremden stand der Name auf einem Schild, das am Mieder befestigt war.
Sie nahm unsere Bestellung auf.
»Eine Limonad!« »I a!«, »a Wasser!«
Um es kurz zu machen. Es kamen vier Limonaden ein Spezi und ein Mineralwasser zusammen.
Es folgte eine Schrecksekunde vonseiten Kathies, dann der Ausruf: »Ja, seid’s jetzt alle deppert!«, dann stampfte sie davon.
Wenig später schlenderte ein unauffälliger Herr mit Trachtenanzug in unsere Richtung. In sicherer Entfernung blieb er stehen. Es war Alois, einer der Stellvertreter vom stellvertretenden Geschäftsführer und andauernder Maßkrugeinsammler.
Er kannte uns, wir waren ja nicht das erste Mal im Hirschgarten.
Er nahm Witterung auf, identifizierte uns als Stammgäste, kam näher und fing zum granteln an.
»Seid’s ihr heit alle bled?«, fragte er in waschechtem Münchnerisch.
»Warum, habt’s koa Spezi nicht?«
»Koa Spezi nicht« ist eine doppelte Verneinung und nur im bayerischen Dialekt zu finden. Aber das nur nebenbei.
Nachdem die Fronten geklärt waren und wir auf unserer Bestellung bestanden rückte er wieder ab.
Nur Kathie kam nicht mehr. Wir sahen, wie sie sich an all den anderen Tischen um uns herum zu schaffen machte, Bestellungen entgegennahm, eine Maß Bier nach der anderen an die Tische schleppte. Sie ignorierte uns!
»He Kathie, mir ham an Durscht!«, riefen wir ihr zu.
»Alles der Reihe nach, erst kommt’s Bier und dann’s Kracherl!«
»Kracherl« ist ein uralter bayrischer Ausdruck für Limonade. Im Niederbayrischen um Passau herum kennt man eine Limonad auch unter dem Namen »Chabeso«.
Aber auch das nur nebenbei.
An all den Tischen um uns herum wurden die Maßkrüge nachgefüllt. Unsere Kehlen waren trocken und unsere Lippen dürsteten nach einem Bier.
Aber wir blieben hart! Nach exakt siebenundzwanzigeinhalb Minuten stellte Kathie erst mal die vier Mineral auf unserem Tisch ab. Sonst schleppte sie an jeder Hand leicht sechs Maßkrüge. Hier lamentierte sie, das Wasser sei b’sonders schwer!
Diese Geschichte ist schon lange, sogar sehr lange her.
Nach der ersten Runde Mineral und dem anderen Zeugs stiegen wir auf echte Maßen um und sieh da, Kathi kam prompt mit sechs herrlich gefüllten Maßkrügen fast sofort an unseren Tisch.
Ähnliches erlebte ich viele Jahre später mitten in Niederbayern im »Bayrischen Posthorn« und im »Wirtshaus zur Sperrwies« beim Viktor.
Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ein andermal erzählen will.
Es war ja nicht gerade so, dass wir nur Flausen und Schabernack im Kopf hatten. Unser Hauptaugenmerk galt dem Studium. Das hatte allererste Priorität. Das war ja nicht mit ein paar Stunden in der Woche abgetan. Das Medizinstudium war und ist ein sehr intensives Studium, da war Aufmerksamkeit von morgens bis abends angesagt und das oft an sieben Tagen in der Woche.
Aber, so hart wir arbeiten konnten, so intensiv konnten wir auch feiern. Wobei der Alkoholkonsum bei weitem nicht an erster Stelle stand.
Irgendwann im Sommer war einer der vielen Biergartenbesuche ein Besonderer. Frohen Mutes zogen wir zu sechst hinaus in einen der angesagtesten Biergärten . Ein freier Tisch am frühen Abend war schnell gefunden. Mit dem Beginn der Dämmerung kam eine beherrschte Bedienung vielleicht Mitte Fünfzig mit wogendem Busen an den Tisch. Sie hieß Kathie, das wussten wir schon und für so manchen Fremden stand der Name auf einem Schild, das am Mieder befestigt war.
Sie nahm unsere Bestellung auf.
»Eine Limonad!« »I a!«, »a Wasser!«
Um es kurz zu machen. Es kamen vier Limonaden ein Spezi und ein Mineralwasser zusammen.
Es folgte eine Schrecksekunde vonseiten Kathies, dann der Ausruf: »Ja, seid’s jetzt alle deppert!«, dann stampfte sie davon.
Wenig später schlenderte ein unauffälliger Herr mit Trachtenanzug in unsere Richtung. In sicherer Entfernung blieb er stehen. Es war Alois, einer der Stellvertreter vom stellvertretenden Geschäftsführer und andauernder Maßkrugeinsammler.
Er kannte uns, wir waren ja nicht das erste Mal im Hirschgarten.
Er nahm Witterung auf, identifizierte uns als Stammgäste, kam näher und fing zum granteln an.
»Seid’s ihr heit alle bled?«, fragte er in waschechtem Münchnerisch.
»Warum, habt’s koa Spezi nicht?«
»Koa Spezi nicht« ist eine doppelte Verneinung und nur im bayerischen Dialekt zu finden. Aber das nur nebenbei.
Nachdem die Fronten geklärt waren und wir auf unserer Bestellung bestanden rückte er wieder ab.
Nur Kathie kam nicht mehr. Wir sahen, wie sie sich an all den anderen Tischen um uns herum zu schaffen machte, Bestellungen entgegennahm, eine Maß Bier nach der anderen an die Tische schleppte. Sie ignorierte uns!
»He Kathie, mir ham an Durscht!«, riefen wir ihr zu.
»Alles der Reihe nach, erst kommt’s Bier und dann’s Kracherl!«
»Kracherl« ist ein uralter bayrischer Ausdruck für Limonade. Im Niederbayrischen um Passau herum kennt man eine Limonad auch unter dem Namen »Chabeso«.
Aber auch das nur nebenbei.
An all den Tischen um uns herum wurden die Maßkrüge nachgefüllt. Unsere Kehlen waren trocken und unsere Lippen dürsteten nach einem Bier.
Aber wir blieben hart! Nach exakt siebenundzwanzigeinhalb Minuten stellte Kathie erst mal die vier Mineral auf unserem Tisch ab. Sonst schleppte sie an jeder Hand leicht sechs Maßkrüge. Hier lamentierte sie, das Wasser sei b’sonders schwer!
Diese Geschichte ist schon lange, sogar sehr lange her.
Nach der ersten Runde Mineral und dem anderen Zeugs stiegen wir auf echte Maßen um und sieh da, Kathi kam prompt mit sechs herrlich gefüllten Maßkrügen fast sofort an unseren Tisch.
Ähnliches erlebte ich viele Jahre später mitten in Niederbayern im »Bayrischen Posthorn« und im »Wirtshaus zur Sperrwies« beim Viktor.
Aber das ist eine andere Geschichte, die ich ein andermal erzählen will.
Montag, 21. Mai 2018
Trash
In meinem literarischen Leben gibt es Abschnitte, die quillen über von Ideen. Da entsteht fast jeden Tag eine neue Geschichte.
Dann passiert es aus heiterem Himmel ohne Vorankündigung. Plötzlich ist alles weg! Nichts geht mehr!
Das Gehirn ist wie gelähmt. Dann bringe ich keinen vernünftigen Satz zu Papier.
Es entsteht nur »Trash«. Das ist englisch und heißt übersetzt »Mist«! Das klingt einfach professioneller. Dann schreibe ich keinen Mist, sondern Trash. Das ist eine literarische Katastrophe. Es fließt nichts Vorzeigbares aus der Feder.
Das kann Wochen, ja sogar Monate dauern.
Momentan geht gerade so eine triste Zeit zu Ende. Das spüre ich. Die Gehirnwindungen kommen in Wallung. Die ersten Ideen purzeln heraus und direkt über meinen Füllfederhalter auf’s Papier. Ich komme in Hochstimmung, die triste Zeit verabschiedet sich. Plötzlich sind Ideen da, Geschichten entstehen in meinem Kopf und warten nur darauf, aufgeschrieben zu werden.
Mittwoch, 21. Februar 2018
Die rote Tulpe
»Hast Du Kleb?« Ihr Herz pocht bis zum Hals.
Die großen dunklen Augen verschlingen den jungen Mann.
»Ja, Aischa, ich hab Dir den Kleb mitgebracht!«
Henri lacht und hebt das kleine Energiebündel zu sich herauf in den Jeep. Die letzten Meter hinein in den Vierseithof fährt er im Schritttempo. Die Kindermeute rennt hinterher. Aischa hält mit ihren Händen das vibrierende Lenkrad.
Mit einem Flüchtlingstreck kam sie aus Afghanistan. Um sie herum Menschen, die sie nicht verstand. Irgendwann hörte Aischa mit dem Weinen auf.
Das kleine Dorf war ihr vertraut. Der Wind stetiger Begleiter an den kahlen Berghängen. In einem Moment wurde alles anders. Die ärmliche Lehmhütte brach auseinander, ihr Vater starb in den MG-Salven. Die Mutter wurde von Soldaten verschleppt.
Aus der Felsnische, ihrem Lieblingsspielplatz etwas abseits der Hütte, sah sie mit ihren Kinderaugen die Flammen. Ihr Zuhause gab es nicht mehr.
Eine lange Nacht lang kauerte sie in einer Felsspalte, ihr Herz raste vor Angst. Die Soldaten kamen nicht wieder.
Durch die Tränen sah sie hinunter ins Tal. Ihre Mutter.
Der Abstieg dauerte. Sie erinnerte sich an den Schrei in der Nacht. Der Tschador zerfetzt, überall Blut, der Kupferreif am Handgelenk, das Gesicht ihrer Mutter gab es nicht mehr.
Irgendjemand fand Aischa neben der Piste nach Kabul.
Seit gestern blühen die ersten Kirschbäume. Das leer stehende Anwesen ist ideal für ein Kinderheim. Eine riesige Aufgabe liegt vor den jungen Leuten. Henri macht seinen Zivildienst. Vom ersten Tag an ist er dabei. Einmal am Tag fährt er hinunter in den Marktflecken und macht Besorgungen. Er hat schon mitbekommen, dass die Leute gegen das Asylantenheim sind.
Zwei Dutzend Kinder leben seit einem halben Jahr mitten in Niederbayern. Um sie herum ländliche Idylle, weite Wiesen, der Wald ist nah!
Der barbarische Krieg hat sie ihrer Kindheit beraubt. Henri will ihnen ein Stück davon zurückgeben.
Der Markt ignoriert den Vierseithof, will mit dem Leben da droben nichts zu tun haben. Henri bekommt das zu spüren, wenn er runter in den Markt kommt.
»Das Geld nehmen sie, ihre Herzen bleiben verschlossen«, sagt er zum Pfarrer. Auch der Herr Pfarrer war in dem halben Jahr nicht oben gewesen. Ein Kruzifix hat er Henri mitgegeben, das soll er im Haus aufhängen. Diese Kinder kennen keinen Christengott, sie haben ihr junges Leben an ein zerschundenes Land verloren.
»Komm!«
Aischa springt raus aus dem Jeep, zerrt Henri am Arm,
»Komm!«
Während die Meute hinein in den Speisesaal tobt, zieht Aischa Henri hinüber zum Gartentor.
»Willst Du keine Kekse?«
Aischa schüttelt den Kopf. Schaut ihn an.
Wenn Henri in diese Kinderaugen sieht, wird er traurig.
Was passiert mit dem kleinen Leben?
Noch ist sie ein Kind, vielleicht 9 oder 10 Jahre alt.
Aischa konnte den Leuten von terre des hommes nichts sagen. Wer sie ist, wo sie herkommt. Ob »Aischa« ihr richtiger Name ist? Ihre Mutter rief sie so!
»Da!«
Sie deutet auf eine rote Tulpe.
»Das ist eine Tulpe.«
»Tulpee?«
»Ja!«
Henri bückt sich, will für Aischa die Blume pflücken. Sie wirft sich mit ihrem kleinen Körper dazwischen. Ihre dunklen Augen verraten Panik. Tränen.
Henri erschrickt.
Leben, verdammt, dieses Kind erinnert ihn, wie kostbar Leben ist.
»Nein, ich pflücke sie nicht.«
Aischa drängt ihn weg. Gemeinsam gehen sie rüber ins Haus.
»Deinen Klebestift, hier.«
Henri kramt in seiner Jackentasche und gibt ihr den Kleb.
»Danke«
Aischa nimmt den Stift, schaut aber immer noch verstört an Henri hinauf.
Plötzlich dreht sie sich um und rennt davon.
Die Kekse, die an die anderen Kinder verteilt werden, interessieren sie nicht.
Henri erledigt seine restlichen Besorgungen, verstaut alles im Magazin. Zuletzt fährt er den Jeep in den Schuppen. Das Lenkrad ist mit Kleb verschmiert, mitten drauf ein Kinderbild, eine rote Tulpe.
Hinter dem Schuppen schauen zwei dunkle Augen hervor. Sie strahlen ihre Freude mitten in Henris Herz.
© by Fabrizius
Dienstag, 30. Januar 2018
Was ist Ewigkeit?
Die Antwort von einem Hirtenjungen steht in einem Märchen der Gebrüder Grimm.
»In Hinterpommern liegt der Demantberg, der hat eine Stunde in die Höhe, eine Stunde in die Breite und eine Stunde in die Tiefe; dahin kommt alle hundert Jahr ein Vöglein und wetzt sein Schnäbelein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Sekunde von der Ewigkeit vorbei.«Aus »Das Hirtenbüblein«, einem Märchen der Gebrüder Grimm
Eines steht fest,
auch die Ewigkeit hat einmal ein Ende!
»In Hinterpommern liegt der Demantberg, der hat eine Stunde in die Höhe, eine Stunde in die Breite und eine Stunde in die Tiefe; dahin kommt alle hundert Jahr ein Vöglein und wetzt sein Schnäbelein daran, und wenn der ganze Berg abgewetzt ist, dann ist die erste Sekunde von der Ewigkeit vorbei.«Aus »Das Hirtenbüblein«, einem Märchen der Gebrüder Grimm
Eines steht fest,
auch die Ewigkeit hat einmal ein Ende!
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