Im Rahmen eines Schreibprojektes sollte ich eine Kurzgeschichte verfassen. Die Jury nannte sie nicht »Kurzgeschichte« sondern »short story«, was exakte dasselbe bedeutet, in ihren Augen aber professioneller klingt.
Genau deshalb ging ich davon aus, dass sich in selbiger Jury studierte Germanisten zu Hauff herumtrieben.
Ich finde Anglizismen gelegentlich hilfreich, aber man muss es nicht übertreiben und gleich gar nicht, wenn man sich Germanist schimpft.
Soweit war nichts einzuwenden, ich schrieb über das Jahr viele Kurzgeschichten, darunter auch die eine oder andere Auftragsarbeit.
Allerdings wurde ich bei der Thematik stutzig.
»Die schlechten Eigenschaften eines Gutmenschen.«
Darüber hatte ich mir noch nie Gedanken gemacht. Das Wort »Gutmensch« war ja seit Beginn der Flüchtlingsproblematik in aller Munde. Mal wurde es einfach so dahergesagt, mal mit einer gewissen Ehrfurcht ausgesprochen. Allerdings bekam das Wort, je länger das Flüchtlingsproblem anhielt, einen negativen Touch. Heute wird es immer öfter als Schimpfwort missbraucht.
Ich machte es wie immer. Erst mal sortierte ich meine Gedanken zu dem Thema und formulierte ins Blaue.
Nur, sie wollten nicht so richtig in Schwung kommen.
Ich hatte schon meine Schwierigkeiten mir einen reinen Gutmenschen vorzustellen. Aus meinem engeren und weiteren Bekanntenkreis konnte ich nach sorgfältiger Überlegung keinen einzigen lupenreinen Gutmenschen herauspicken.
Nicht nur im Bekanntenkreis, auch bei all den vielen Personen des öffentlichen Lebens fand ich keinen.
Ich stellte fest, die Definition »Gutmensch« wurde zum Problem für mich.
Dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen! Wahrlich, es war eine Offenbarung.
Gutmenschen mit schlechten Eigenschaften kannte ich zur Genüge. Da konnte ich aus dem Vollen schöpfen.
Die Definition »Gutmensch« an sich lässt keine Abstufung zu. Gutmensch ist Gutmensch, basta! Aber die schlechten Eigenschaften sind je nach Schwere und Häufigkeit einzuordnen..
So ein Gutmensch mit gelegentlich leichten Schmutzeleien ist anders zu bewerten, als ein Gutmensch mit krimineller Energie.
Und exakt dafür habe ich erst mal rein empirisch eine Skala von 01 bis 05 entwickelt.
Die reinste Stufe 01 kommt einer Idealvorstellung gleich, die wohl in unserer Zeit von Niemandem mehr erreicht wird.
Einzig und alleine meine Oma, Gott hab sie selig, hielt diesen Level. Aber das ist eine andere Geschichte.
Ein paar wenige Exemplare mag es in der Stufe 2 geben.
Dann kommt das große Heer der 3er und 4er. Es wird wohl die Masse sein.
Allerdings beschleicht mich das Gefühl, dass die Tendenz zu 05 stark zunimmt. Schließlich kommt der Punkt, wo das Prädikat »Gutmensch« gestrichen werden muss.
Sie werden sich jetzt natürlich fragen, wohin solche Überlegungen führen. Erst mal zu meiner Kurzgeschichte, das war ja naheliegend. Aber es gibt noch eine andere Verwendung. Man denkt nach und merkt, die Spitzbübereien in der Welt sind allemal reichlich vertreten. Dem hat ein Gutmensch, wenn er denn ein reiner Gutmensch sein will, überhaupt nichts dagegen zu setzen. Über kurz oder lang wird er scheitern.
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bitte geben Sie den Autor an, sonst ist es geistiger Diebstahl.
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Montag, 11. Juni 2018
Mittwoch, 6. Juni 2018
Fliegen können
Jeder hat solche Träume. Wie ein Vogel in die Luft schwirren, über Berge und Täler gleiten. Mit den Schwalben um die Wette fliegen. Wie schön das wäre.
Auch ich träumte als Kind vom Fliegen. Nur gab es in meinen Träumen keine Schwalben und keine Mauersegler, nicht mal Schmetterlinge. Ich flog in meinen Träumen immer als gemeine Stubenfliege in unserer Küche herum. Da war nichts mit über Berg und Tal gleiten.
Statt dessen vergnügte ich mich an einem verkrümelten Butterkuchen oder an einem Glas abgestandener Limonade. Ich schleckte an der Marmelade oder nahm einen Happen von einer Mohnschnecke. Ja, Mohnschnecken, die mochte ich als Kind schon und das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben.
Auch wenn ich mir ganz fest vornahm, diesmal keine Stubenfliege zu sein. Kaum schwang ich mich in die Luft, wurde ich wieder zur Stubenfliege. Es gab kein Entrinnen, das war mein Schicksal.
Wenn ich im Gras lag, in die Weiten des Himmels schaute und neidisch auf die Wolken war, sah ich meine Träume, die ich nie träumen durfte. Ich sah dem Turmfalkenpärchen beim Kunstflug zu. Spätestens dann setzte sich eine lästige Mücke auf meine Nase und aus war der Traum.
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Auch ich träumte als Kind vom Fliegen. Nur gab es in meinen Träumen keine Schwalben und keine Mauersegler, nicht mal Schmetterlinge. Ich flog in meinen Träumen immer als gemeine Stubenfliege in unserer Küche herum. Da war nichts mit über Berg und Tal gleiten.
Statt dessen vergnügte ich mich an einem verkrümelten Butterkuchen oder an einem Glas abgestandener Limonade. Ich schleckte an der Marmelade oder nahm einen Happen von einer Mohnschnecke. Ja, Mohnschnecken, die mochte ich als Kind schon und das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben.
Auch wenn ich mir ganz fest vornahm, diesmal keine Stubenfliege zu sein. Kaum schwang ich mich in die Luft, wurde ich wieder zur Stubenfliege. Es gab kein Entrinnen, das war mein Schicksal.
Wenn ich im Gras lag, in die Weiten des Himmels schaute und neidisch auf die Wolken war, sah ich meine Träume, die ich nie träumen durfte. Ich sah dem Turmfalkenpärchen beim Kunstflug zu. Spätestens dann setzte sich eine lästige Mücke auf meine Nase und aus war der Traum.
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Freitag, 1. Juni 2018
Die Kittelschürze
Dieses Kleidungsstück kenne ich noch aus meiner Jugend. Es war für Zuhause das Dressing der Frau schlechthin. Es passte überall, egal ob Frau darunter Liebestöter, Nachthemd oder Bikini trug. Sie konnte selbst Garnichts darunter anhaben. Damit konnte sie sich jedem zeigen. Natürlich nicht unbedingt bei einer Abendgesellschaft, aber tagsüber im häuslichen Milieu immer.
Die Kittelschürze musste man nur überziehen, fertig!
Manchmal kam die Frau damit bieder daher, gelegentlich nachlässig und vor allen Dingen immer wieder sexy.
Die Muster dieses wandlungsfähigen Kleidungsstückes waren mannigfach und die Anschaffung allemal erschwinglich.
Schaut man im Internet nach, dann werden diese Kleidungsstücke in allen Variationen hundertfach angeboten.
Warum dann um alles in der Welt, sieht man keine Frauen mehr in Kittelschürzen rumlaufen?
Gerade im Sommer müsste dieses Kleidungsstück für jede Frau ein Muss sein. Fluffiger und luftiger geht es nicht. Mit nichts drunter zwickt nichts, klemmt nichts und doch ist alles verhüllt.
Die Kittelschürze musste man nur überziehen, fertig!
Manchmal kam die Frau damit bieder daher, gelegentlich nachlässig und vor allen Dingen immer wieder sexy.
Die Muster dieses wandlungsfähigen Kleidungsstückes waren mannigfach und die Anschaffung allemal erschwinglich.
Schaut man im Internet nach, dann werden diese Kleidungsstücke in allen Variationen hundertfach angeboten.
Warum dann um alles in der Welt, sieht man keine Frauen mehr in Kittelschürzen rumlaufen?
Gerade im Sommer müsste dieses Kleidungsstück für jede Frau ein Muss sein. Fluffiger und luftiger geht es nicht. Mit nichts drunter zwickt nichts, klemmt nichts und doch ist alles verhüllt.
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